Das Thema

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

Sie befinden sich auf der Webseite “Wertschöpfung für die Wirtschaft”. Hier finden Sie den Volltext des gleichnamigen Buches. Es wurde von Elisabeth Slapio von der IHK zu Köln, Franz-Reinhard Habbel vom DStGB und Andreas Huber von Public One im Rahmen der Aktivitäten des Innovators Club des DStGB herausgegeben.

Bitte finden Sie hier alle Texte und auch den Volltext zum Herunterladen. Selbstverständlich können Sie das Buch auch gedruckt beim vwh-Verlag erwerben. Um die Texte “richtig” zu lesen ist das sicher der beste Weg. Wir wünschen auf jeden Fall viel Vergnügen beim Lesen und vielleicht bringen wir die Wirtschaftsförderung alle zusammen ein Stück voran.

Gruß

Die Herausgeber im Sommer 2013
E. Slapio, F.-H. Habbel und A. Huber

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Wertschöpfung für die Wirtschaft?

Was brauchen die Kunden der Wirtschaftsförderung wirklich?  |  Wie viel Kundenorientierung tut der Verwaltung gut?  |  Was kann der öffentliche Sektor dafür tun, dass es der Wirtschaft besser geht?  |  Wie kann eine Verwaltungsmodernisierung aussehen, bei der die (Wirtschafts-) Kunden der Verwaltung im Mittelpunkt stehen und nicht die Prozessabläufe innerhalb der Verwaltung?  |  Wie kann sich der öffentliche Sektor neu erfinden und gleichzeitig treu bleiben?  |  Wie kann eGovernment geplant und umgesetzt werden, so dass alle davon profitieren?

Warum diesen Herausgeberband ?

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass bei Produktinnovationen fast kein Unternehmen an den Ideen und Einflüssen der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) vorbei kommt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geht in der Hightech-Strategie davon aus, dass mehr als 80 Prozent der Innovationen in Schlüsselbranchen der deutschen Wirtschaft wie Automobil, Medizin oder Logistik IKT-getrieben sind. Gerade die Verbindung der Vorteile von IKT – der schnelle Informationsaustausch und die Vernetzung – mit klassischen Industrieprodukten wie Maschinen, Autos oder auch Dienstleistungsbranchen wie der Logistik hat in den letzten Jahren für Innovations- und Wachstumsschübe gesorgt. Insbesondere Kreativität und Kombinationsgabe bei der Erkennung neuer Märkte und der Erfindung neuer Produkte sind zentrale Faktoren der Wirtschaftsentwicklung, die direkt mit der IKT-Branche zusammen hängen.

Für die Wirtschaftsentwicklung in bzw. Wirtschaftsförderung durch Kommunen drängen sich vor diesem Hintergrund zwei Fragen auf:

  1. Wie kann eine Verwaltung so ausgerichtet werden, dass ihre Dienstleistungen für Unternehmen auch wirtschaftlich attraktiv sind? Wie kann eine Kommune sowohl ordnende Behörde als auch Teil einer Wertschöpfungskette sein, so dass mehr Innovation in einer Region stattfindet?
  2. Wie kann die Entstehung von kreativen Milieus im Umfeld der Wirtschaftsunternehmen gefördert und damit das (qualitative) Wachstum der Kommune angeregt werden?

Die Autorinnen und Autoren dieses Herausgeberbands „Wertschöpfung für die Wirtschaft“ beantworten diese beiden zentralen Fragen, indem sie zunächst erfolgreiche Herangehensweisen an die „Einführung von E-Government-Infrastrukturen“ beschreiben – und sich dabei auf Erkenntnis der vergangenen Jahre beziehen. In einem zweiten Teil wird das Trendthema „Open Data“ beleuchtet, das ein Hebel für Kommunen für die Förderung von Innovationen in einer Kommune sein kann. Hier kann die öffentliche Hand Teil einer wirtschaftlichen Wertschöpfungskette werden und für Unternehmen relevante Daten aufbereiten und zur Verfügung stellen. Open Data wird hier verstanden als Daten, die an einer (quell-) offenen Schnittstelle angeboten werden. Open Data sind also nicht notwendigerweise kostenlose Daten, sondern können auch durch über Bezahldienste angebunden werden, aber sie sind „open“ im Sinne von „außen verfügbar“.

Mit E-Government die Attraktivität des Standorts und der Kommune steigern

Ein funktionierendes E-Government ist gerade mit der zunehmenden Digitalisierung der Produktions- und Wertschöpfungsprozesse der letzten Jahre immer mehr zu einem Standortfaktor für die Unternehmen geworden. Viele Unternehmen wünschen sich eine möglichst nahtlose Integration der Verwaltungsvorgänge in die Abläufe im eigenen Unternehmen. Als ein zahlenmäßig großes Verfahren könnte man hier etwa an die Autoan-, um- und abmeldung durch Autovermieter gedacht werden, denen einen automatisierte Schnittstelle in die Verwaltung große Vorteile bringen würde.

Gerade durch die Möglichkeiten auch in anderen Bereichen, wie etwa in der Steuerung und Kontrolle von Produktionsprozessen oder dem Online-Banking elektronisch Geschäftsvorgänge zu managen, entstehen auf Seiten der Unternehmen eine zunehmend höhere Anspruchshaltung – nach dem Motto „bei der Bank geht es doch auch“. Die Kommunen sind deshalb gut beraten, die digital abbildbaren Leistungsprozesse an die Bedürfnisse und Erwartungen der Unternehmen anzupassen und dies als einen Teil der „normale Wirtschaftsförderung“ zu sehen. Auf diese Weise kann Verwaltungsmodernisierung zu einem wichtigen Standortfaktor werden. Aus diesem Grund wird hier bei der Entwicklung von Konzepten zur Standortförderung das Thema der digitalen Verwaltungsprozesse - neben anderen Faktoren wie der Kooperation etwa bei der Clusterentwicklung oder dem Thema Bildung – mitbedacht.

Tatsächlich ist die Umsetzung bei den Kommunen nach mehr als zehn Jahren in der Breite hinter den technischen Möglichkeiten zurück geblieben. Dennoch haben sich in der Diskussion zur Verwaltungsmodernisierung der letzten zehn Jahre anhand von Erfolgsbeispielen einige grundlegende Erfolgsfaktoren herauskristallisiert, welche für eine erfolgreiche Umsetzung einer digitalen Verwaltungsmodernisierung an der Schnittstelle zwischen Unternehmen und der Verwaltung besonders entscheidend sind. Ein Erfolgsfaktor ist das aktive Managen von Erwartungen bei den Unternehmen sowie ein Abgleich der Erwartungen mit dem Machbaren in der Verwaltung.

Sowohl für die Unternehmen als auch die Verwaltung ist es dabei notwendig, dass die Verwaltung bzw. die Unternehmen die Arbeitsweise und die Handlungslogik des jeweils anderen einzuschätzen und zu verstehen lernt. Wenn sich die Akteure auf einer gemeinsamen Ebene treffen, kann ein Ineinandergreifen der Prozesse an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Verwaltung funktionieren. Um die erfolgreiche Umsetzung von Verwaltungsmodernisierung zu gewährleisten bedarf es somit nicht zwingend neuer technischer Lösungen. Vielmehr ist ein Dialog zwischen Wirtschaft und Verwaltung nötig, der dazu führt, dass sowohl die Erwartungen reduziert als auch die Chancen der Verwaltungsmodernisierung in einer Kooperation zwischen Wirtschaft und Verwaltung besser genutzt werden.

Gerade ein funktionierendes Miteinander kann die Verwaltungsmodernisierung  in einer Kommune unterstützen. Und mit einer modernen Verwaltung wird die Region schließlich auch attraktiver für Unternehmen – besonders für Unternehmen der IKT-Branche, die einen Großteil der IT-Innovationen ausmachen.

Mit offenen Daten die kreative Wirtschaft fördern

Neben der Verwaltungsmodernisierung ist ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt für die Ansiedlung neuer Branchen das Thema „Open Data“ geworden. Die Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, dass sich gerade in zukunfts- und wachstumsträchtigen Branchen wie dem Bereich IKT und Kreativwirtschaft die Verarbeitung, Visualisierung und konsumentengerechte Darstellung von Daten z.B. in Form von Apps zu einem tragfähigen Geschäftsmodell entwickelt hat. Geschäftsmodelle in diesem Bereich existieren schon in der Privatwirtschaft. So werden durch Simulationssoftware auf Grundlage von Wetterdaten die Wettervorhersage oder auf Grundlage von Verkehrsdaten Verkehrsströme dargestellt. Zumeist geschieht das heute noch in einem begrenzten Markt, weil Daten für solche Anwendungen nur teuer oder gar nicht zugänglich sind.

Allerdings sind solche Marktzugangsbeschränkungen nicht zwingend. Prinzipiell gewährt das Informationsfreiheitsgesetz jeder Person einen voraussetzungslosen Rechtsanspruch auf den Zugang zu amtlichen Informationen von Behörden – mit einigen Einschränkungen und Ausnahmen. Prinzipiell können Daten der öffentlichen Verwaltung damit offen zur Verfügung gestellt werden.

Um neue Anwendungen zu programmieren und mit ihnen neue Services anzubieten ist für Unternehmen die Erschließung öffentlicher Datenquellen sehr interessant. Dadurch eröffnet sich für die Unternehmen die Chance aus diesen Daten eine Vielzahl von Nutzeranwendungen zu programmieren und am Markt zu positionieren.

Tatsächlich sind bereits in einigen Zentren wie in Berlin, Bayern oder Baden-Württemberg erste Projekte an den Start gegangen, bei denen öffentliche Daten für solche Zwecke zur Weiterverwendung zur Verfügung gestellt wurden. Mit Open Data entstehen so ganz neue Märkte und damit auch neue Geschäftsideen, Innovationen und Arbeitsplätze. Die EU Kommission hat für den Bereich Open Data errechnet, dass insgesamt volkswirtschaftliche Vorteile in der gesamten EU von bis zu 140 Milliarden Euro jährlich entstehen können.[Quelle] Wenn die öffentliche Verwaltung den Zugang zu den Daten niederschwellig gestaltet, können so also große Chancen auch für die kommunale Wirtschaftsentwicklung erschließbar werden.

Die Gestaltungspotenziale der Kommunen sind daher groß – auch mit relativ geringen Mitteln. Die Kommunen können durch die Bereitstellung öffentlicher Daten die Entstehung regionaler Geschäftsmodelle erst anstoßen und sich im Wachstumsbereich IKT und Kreativwirtschaft positionieren. Ein weiterer zentraler Faktor ist die Steigerung der Standortattraktivität durch die Erhöhung und Gestaltung eines unternehmensorientierten E-Government.



 

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